Keimfrei aus dem Schrebergarten

Selbstversorger haben es zurzeit gut: Wer Salate oder Gurken im eigenen Garten anbaut, der kann ziemlich sicher sein, das kein EHEC-Bakterium dazwischen ist. Keimzelle der Selbstversorgung in der heutigen Zeit der Etagenwohnungen sind ganz klar die Schrebergärten. Hier können sich Pflanzenfreunde nach Lust und Laune austoben. Eine beachtliche Vielfalt ist so in den überschaubaren Arealen entstanden. Zäune gibt es in der Kleingartenanlage Maikammer nicht; allerdings hat jede Parzelle eine eigene Eingangstüre. Ein wenig Ordnung muss wohl sein. Doch Schlösser, um sie abzuriegeln, fehlen – das würde auch keinen Sinn machen.

Der Kleingärtner ist kein verschrobener Einzelgänger. Er sucht den Kontakt. Dadurch wächst eine spezielle Gemeinschaft von Pflanzenfreunden zusammen, die ihresgleichen sucht. Sie unterscheidet sich nämlich in einem ganz gravierenden Punkt zum Beispiel von Kakteenliebhabern. Während diese Freude des stacheligen Grüns ihrePflanzen jahrelangmühsam pflegen, damit sie zur vollen Entfaltung kommen, essen die Schrebergärtner die meisten Erzeugnisse ihrer liebvollen Arbeit einfach auf, wenn dieser Punkt erreicht ist. Rote, schwarze und weiße Johannisbeeren laden geradezu zum Naschen ein. Großzügig ist der Schrebergärtner auch. „Greifen sie ruhig zu“, meint Jürgen Senst, „es ist genug davon da“. Und das stimmt. Sogar prächtige Himbeeren erspäht das suchende Auge neben Bäumen, die sich vor der Last der roten Kirschen biegen. Einige sind komplett mit Netzen eingepackt. Das schützt vor hungrigen Vögeln, die in zügelloser Leidenschaft oft die Bäume leerfressen.

Gemüse bedarf der intensiven Pflege. Die Beete müssen regelmäßig gewässert und vom Unkraut befreit werden. Zudem lauern auch hinterhältige Schnecken im Verborgenen, die sich heimlich anschleichen.Besonders die Roten ohne Haus sind gefürchtet. Doch die Arbeit und Umsicht des Schrebergärtners macht sich jetzt bezahlt. Jeder weiß, was auf seinem Teller ist – zumindest beim Gemüse. Katja Findeisen zieht ihre Pflanzen auf dem heimischen Balkon selber an. Die gelernte Köchin hat seit dem Jahr 2003 ihren Schrebergarten.

Und sie berichtet etwas, das man immer wieder bei Gesprächen mit Menschen auf der Anlage hört. „Es ist Erlebnis, wenn man im Laufe des Jahres sehen kann, wie eine kleine Pflanze zur voller Größe heranwächst“. Liebevoll lockert sie die Erde zwischen den Salatbeeten auf und zupft die ein oder andere artfremde Pflanze heraus. „Ich experimentiere zurzeit mit essbaren Blüten“, sagt sie. Handwerklich geschickt sollte der Schrebergärtner übrigens auch sein. Tomatenpflanzen mögen keine Nässe von oben. Kleine Unterstände dies verhindern.

Ursula Krummrich züchtet in ihrem Gewächshaus Schlangengurken. Die Ernte der EHEC-freien Gurken läuft Hochtouren. Im Beet wartet zudem der knackige Salat. Wohin nur mit den ganzen Schätzen? Das ist ein Problem, das immer mal wieder auftaucht. Zu viele Salate werden zur selben Zeit erntereif. Dann kommt das gesunde Grün in üppigen Portionen auf den Tisch – Tag für Tag.

Neben Krummrichs werkelt gerade Michael Höck. Er hat im April Neuland betreten. Zwei Bienenvölker summen in einer Ecke seines Gartens. „Kommen sie ruhig näher, die tun nichts“, sagt er und hebt ohne Schutzkleidung den Deckel des Bienenstockes ab. Stolz hält er den Rahmeneinsatz voller Waben in die Luft. Er hofft auf 15 Kilo Honig in diesem Jahr.

Keimfrei aus dem Schrebergarten – Kölner Stadt-Anzeiger.

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